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Gravitationswellen

Wellen in der Raumzeit — wenn das Universum selbst bebt.

1916Einstein sagt voraus
2015Erstmals gemessen
1,3 Mrd. LjQuelle GW150914
10⁻²¹Raumverzerrung

01Was sind Gravitationswellen?

Gravitationswellen sind Kräuselungen in der Raumzeit, verursacht durch beschleunigte Massen. Albert Einstein sagte sie 1916 in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie voraus — er selbst glaubte allerdings, man würde sie nie messen können.

Stell dir die Raumzeit wie ein gespanntes Tuch vor: Wenn zwei massive Objekte einander umkreisen, erzeugen sie Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und Raum und Zeit abwechselnd stauchen und strecken.

02Die Entdeckung — LIGO

Am 14. September 2015 gelang es dem LIGO-Detektor (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) erstmals, Gravitationswellen direkt nachzuweisen. Das Signal stammte von zwei verschmelzenden Schwarzen Löchern, 1,3 Milliarden Lichtjahre entfernt.

Die gemessene Verzerrung war unvorstellbar klein: 10⁻²¹ — das entspricht einer Längenänderung von einem Tausendstel eines Protonendurchmessers über die 4 km langen Detektorarme. 2017 gab es dafür den Nobelpreis.

03Wie funktioniert LIGO?

LIGO nutzt Laserinterferometrie: Ein Laserstrahl wird aufgespalten und durch zwei 4 km lange, senkrecht zueinander stehende Röhren geschickt. Am Ende werden die Strahlen wieder vereinigt.

Wenn eine Gravitationswelle durchläuft, wird ein Arm minimal gestaucht und der andere gestreckt. Das verändert das Interferenzmuster — und genau das misst LIGO mit unglaublicher Präzision. Es gibt zwei Detektoren in den USA (Hanford und Livingston) plus Virgo in Italien.

04Multi-Messenger-Astronomie

Am 17. August 2017 wurde ein historisches Ereignis beobachtet: die Verschmelzung zweier Neutronensterne (GW170817). Erstmals wurde dasselbe Ereignis sowohl durch Gravitationswellen als auch durch elektromagnetische Strahlung nachgewiesen.

Dies markierte den Beginn der Multi-Messenger-Astronomie — wir können das Universum jetzt durch mehrere „Sinne" gleichzeitig wahrnehmen: Licht, Gravitationswellen, Neutrinos und kosmische Strahlung.

05Die Zukunft: LISA

Ab den 2030ern soll LISA (Laser Interferometer Space Antenna) ins All starten: drei Satelliten in einem Dreieck mit 2,5 Millionen km Seitenlänge, die Gravitationswellen im Weltraum messen.

LISA wird völlig andere Quellen erfassen als LIGO: supermassive Schwarze Löcher beim Verschmelzen, Millionen von Doppelsternsystemen und vielleicht sogar Signale aus dem Urknall. Es wird ein völlig neues Fenster zum Universum öffnen.